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ABRACADABRA: Bilder, Zeichnungen und Kartons von Frank Beutel in der Vertikale-Galerie Lübben
...unschwer also zu erkennen, dass Frank Beutel sich mit existenziellen Themen befasst. Der Mensch, das rätselhafte Wesen, steht als Archetyp, Maskenträger, Sinnsucher oder als Künstler im Mittelpunkt seines Interesses. Aus diesem Interesse heraus entwickelt er Bilder mit hohem thematischem Anspruch, die sich mit dem moralischen Verhalten der Gesellschaft ebenso auseinandersetzen, wie sie Sehnsüchte und Einsamkeitser-fahrungen des Individuums verdeutlichen. Das Auffallende an unserer Ausstellung ist nicht nur die dicht gestaffelte Präsentation, die Ähnlichkeit mit der so genannten Petersburger Hängung aufweist, sondern die stilistische mediale und themenbezogene Vielfalt, mit der Frank Beutel uns überrascht. Was mit einem übersteigerten Realismus, mit kompositorischer Zuspitzung und malerische Finesse ins Auge drängt, ist in der Tat nicht nur ein Reflex auf individuelle Befindlichkeit, es ist die Suche nach gültigen Ausdrucksformen, nach einem allgemeinen Ausdruck der Zeit. So versucht er das Wesenhafte in den porträtierten Figuren freizulegen, die vom Leben hinterlassenen Spuren nachzuzeichnen und ihr Ringen mit den Umständen zu versinnbildlichen. Darum zielt er mit zeichnerischer und malerischer Genauigkeit auf Herstellung von authentischer Lebensnähe, wobei seiner zeitbezogenen Darstellungsweise eine geheimnisvoll überhöhte Wiedergabe der Wirklichkeit gegenüber steht, die nicht selten in einer Verschlüsselung der Bildaussage mündet.
Deutlich wird das im geheimnisträchtigen, der Ausstellung den Titel gebenden Bild ABACADABRA, in dem seine sozialkritisch konnotierten Bildnistypen eine starke physische und psychische Präsenz entwickeln. Allein die Farbigkeit spiegelt die Verfassung des an die Personnage der Commedia dell´Arte erinnernden Figurenensembles. Unwillkürlich wird der Blick in das beunruhigende Bildgeschehen hineingezogen und wandert suchend und fragend von Gestalt zu Gestalt, vom Bild beherrschenden weiblichen Halbakt zu den Marionetten des Punk oder der Hexe, ohne eine schlüssige Antwort aus diesem satirischen Gesellschaftsbild zu erhalten. Bleibt die Frage, ob es sich hierbei um eine Spielart von Alltagsrealismus mit gesellschaftsrelevanten ironischen oder moralisierenden Einlassungen handelt oder ob hier differenzierte Daseinsformen des Individuellen demonstriert werden? Wer weiß, vielleicht hat sich die Gesellschaft skurriler, anatomisch leicht deformierter Wesen aus ganz verschiedenen Bild- und Wirklichkeitsbereichen zu einem Konvent mit dem aktuellen Thema Werteverluste getroffen? Es könnte auch ein Gleichnis mit der Erkenntnis sein, dass wir trotz des hohen Gutes Freiheit auf seelische Konflikte, auf Einsamkeit und Langeweile zurück geworfen werden? Es ist die Ambivalenz seiner Motive, seine vordergründige wie abgründige Detailgenauigkeit, die für das Panoptikum der Verstörung bei Frank Beutel sorgt. Am Ende bleibt das Rätselhafte rätselhaft, denn der überzeitliche, raumlose und gleichnishafte Bezug seiner Figuren ist ihm ohnehin wichtiger als jede überprüfbare Interpretationsempfehlung....
aus der Laudatio von Herbert Schirmer, 19.02.2013
 
 
 
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